Artikel aus dem Handelsblatt Journal RESTRUKTURIERUNG vom 15.05.2025
Für viele Unternehmen ist Factoring ein etabliertes Instrument zur Working-Capital-Finanzierung: Sie verkaufen offene Forderungen aus Lieferungen und Leistungen gegen eine Gebühr an einen Factoring-Anbieter. Dieser sogenannte Factor kauft die Forderungen in Höhe eines vorher vereinbarten Rahmens an und zahlt einen Großteil des Forderungswertes, häufig bis zu 90 Prozent, vor Fälligkeit der Rechnungen aus. Der verbleibende Betrag wird nach Begleichung der Rechnung durch den Abnehmer ausgezahlt. Der Vorteil für das Unternehmen: Es erhält schnell Liquidität aus offenen Rechnungen, ohne auf die Zahlungseingänge seitens der Abnehmer warten zu müssen. Und je nach Ausgestaltung des Factoring-Vertrags hat das Ganze noch weitere Vorzüge: So geht etwa beim echten Factoring – anders als beim unechten Factoring – auch das Zahlungsausfallrisiko auf den Factor über. Das Unternehmen ist damit also vor überraschenden Forderungsausfällen geschützt. Gerade in Zeiten steigender Insolvenzen, wie wir sie derzeit erleben, kann das ein wichtiger Baustein für ein erfolgreiches Debitorenmanagement sein. Mehr Liquidität und Sicherheit vor Forderungsausfällen – das sind die zwei offensichtlichen Vorteile von Factoring. Daraus leiten sich für Unternehmen aber noch viele weitere positive Effekte ab.
Mehr Liquidität, mehr Handlungsspielraum
Liquide Unternehmen mit planbaren Cashflows haben mehr Handlungsspielraum: Wenn ausstehende Rechnungssummen zuverlässig eingehen, ist es einfacher, flexibel auf Marktveränderungen und Herausforderungen zu reagieren. Auch die Planung und Umsetzung von Investitionen wird mit den entsprechenden finanziellen Mitteln deutlich einfacher.
Gut für Bilanz und Eigenkapitalquote
Mit Hilfe von Factoring können Unternehmen ihre Bilanzstruktur optimieren. Das ist der Fall, wenn die liquiden Mittel genutzt werden, um bestehende Verbindlichkeiten – etwa bei Banken oder Lieferanten – zurückzuzahlen oder eine weitere Verschuldung zu stoppen. In dem Fall steigt der Anteil des Eigenkapitals im Verhältnis zum Fremdkapital und die sogenannte Eigenkapitalquote erhöht sich entsprechend. Diese ist ein wichtiger Indikator für die finanzielle Stabilität eines Unternehmens: Sie signalisiert Kreditgebern, ob ein Unternehmen solide aufgestellt ist und ermöglicht eine Einschätzung zur finanziellen Unabhängigkeit.
Bessere Konditionen bei Lieferanten und Banken
Über Factoring für mehr Liquidität zu sorgen, lohnt sich auch mit Blick auf die Zusammenarbeit mit Geschäftspartnern und Lieferanten. Denn: Unternehmen mit solider Kapitalausstattung bekommen bessere Ratings und Bonitätseinschätzungen, weshalb Geschäfte mit ihnen als risikoärmer gelten. Das kann zum Beispiel zur Folge haben, dass Lieferanten Unternehmen längere Zahlungsziele oder attraktivere Konditionen anbieten. Kreditversicherer wiederum räumen solventen Unternehmen häufig höhere Abnehmerlimite ein. Das wiederum hat einen Einfluss auf die Höhe der möglichen Einkaufsvolumina: Je höher das Limit, desto mehr Waren oder Dienstleistungen kann ein Unternehmen auf Kredit einkaufen. Und auch bei der klassischen Bankfinanzierung hilft eine hohe Bonität: Ein gutes Rating hat einen positiven Einfluss auf Finanzierungskosten.
Viel mehr als ein Finanzierungsinstrument
Factoring ist nicht nur ein effizientes Finanzinstrument zur eigenen Liquiditätsbeschaffung, es ist auch ein strategisches Werkzeug zur Optimierung der Beziehung zu Lieferanten und Finanzierungspartnern. Unternehmen, die Factoring erfolgreich einsetzen, können ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern, ihr Wachstum fördern und langfristig verlässliche Geschäftsbeziehungen sichern. Gerade in Zeiten von wirtschaftlicher Unsicherheit bietet Factoring eine wertvolle Möglichkeit, zusätzlich Liquidität und Stabilität zu schaffen. Damit ist eine Reihe von weiteren positiven Effekten verbunden – für die Unternehmensführung sowie für die Zusammenarbeit mit Lieferanten und Banken.
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